Neue Bewertungsmethode für Marktrisikoprämien

Senior Consultant, Unternehmensbewerter

Dr. David Albert Maier

Fachsenat für Unternehmensbewertung empfiehlt eine neue Berechnungsmethode der Marktrisikoprämie bei der Bestimmung des objektivierten Unternehmenswertes.

 

Mit der Empfehlung KFS/BW 1 E 7 vom 27.11.2017 hat die Arbeitsgruppe Unternehmensbewertung des Fachsenats für Betriebswirtschaft der Kammer der Wirtschaftstreuhänder eine Empfehlung zur zukunftsorientierten Ableitung des Basiszinssatzes und der Bestimmung der Marktrisikoprämie herausgegeben. Diese Empfehlung ist für Unternehmensbewertungen ab 01.01.2018 anzuwenden und ersetzt die bisherigen Empfehlungen zum Basiszinssatz 18.10.2006 und zur Marktrisikoprämie vom 04.10.2012.

 

Die Ableitung des Basiszinssatzes erfolgt gemäß E 7 nach wie vor zukunftsorientiert aus der Zinsstruktur deutscher Bundesanleihen unter Anwendung der Svensson-Formel. Nach wie vor kann die zum Bewertungsstichtag gültige Spot Rate mit einer Laufzeit von 30 Jahren als einheitlicher konstanter Basiszins verwendet werden, sofern eine unbegrenzte Lebensdauer des Bewertungsobjektes unterstellt werden kann. Der auf diese Weise abgeleitete Basiszinssatz kann für die Detail- und Grobplanungsphase sowie zur Bestimmung des Terminal Values herangezogen werden.

 

Im Gegensatz zur Empfehlung vom 04.10.2012 zur Ableitung der Marktrisikoprämie wird in der aktuellsten Empfehlung E 7 eine neue Methode vorgeschlagen. Die Empfehlung vom 04.10.2012 war vor allem vor dem Hintergrund des bis dahin stark gesunkenen risikolosen Basiszins notwendig geworden, da die damit verbundenen niedrigeren Zinsen zu teilweise hohen Unternehmenswerten führten, die im Transaktionsalltag nicht zu rechtfertigen bzw. auch nicht zu beobachten waren. Damals wurde eine Bandbreite für die Marktrisikoprämie (vor Steuern) von 5,5 % bis 7,0 % empfohlen. Der technische Unterschied in der aktuellsten Empfehlung liegt darin, dass nun von einer Bandbreite von Marktrenditen ausgegangen werden soll, von denen der stichtagsbedingte Basiszins in Abzug zu bringen ist. Die Empfehlung lässt allerdings offen nach welchen Kriterien die nominelle Marktrendite ermittelt werden soll, wobei erwähnt wird, dass die Erhebung von impliziten Markrenditen ein geeigneter Schätzer sein kann. Betreffend die Ermittlung der impliziten Marktrenditen gibt es zahlreiche theoretische Modelle und empirische Studien u.a. auch für den österreichischen Kapitalmarkt. Bemerkenswert ist hierbei, dass E 7 erstmalig ein zukunftsorientiertes Verfahren zur Bestimmung der Eigenkapitalkosten empfiehlt, womit auch der Zukunftsbezogenheit des CAPM Rechnung getragen wird. Die verschiedenen Studien zur Erhebung der Marktrenditen zeigen insbesondere in den Jahren 2008 bis 2012 starke Verwerfungen, allerdings bewegt sich die historische Marktrendite vor und nach der Finanzkrise (2008 bis 2012) größtenteils in einem Korridor von 7,5 % bis 9,0 %. Es bleibt dem Bewerter nun überlassen, welche konkrete Marktrendite er innerhalb der Bandbreite heranzieht, um nach Abzug des mittels der Svensson-Formel ermittelten Basiszinssatzes die Marktrisikoprämie zu ermitteln.

 

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